Snoezelen (sprich „snuzelen“)

ist ein Phantasiewort, in dem die englischsprachigen Verben „snooze“ und „doze“ = dösen/ein Nickerchen machen vereint sind. Es wurde in den 80er Jahren in den Niederlanden in Einrichtungen für schwerst behinderte Menschen entwickelt. Hinter dem Snoezelen steht ein multifunktionales Konzept: In einem besonders ansprechend gestalteten Raum (vorwiegend "Weißer Raum") werden über Licht-, Klang- und Tonelemente, Aromen und Musik Sinnesempfindungen ausgelöst. Diese wirken auf die verschiedensten Wahrnehmungsbereiche entspannend, aber auch aktivierend. Das gezielt ausgesuchte Angebot steuert und ordnet die Reize, es weckt Interesse, es ruft Erinnerungen hervor und lenkt Beziehungen. Das Snoezelen soll immer Wohlbefinden erzeugen. In der ruhigen Atmosphäre werden den Menschen Ängste genommen, sie fühlen sich geborgen.

Der Snoezelenraum kann von wohlriechenden Düften durchflutet sein, die schöne Erinnerungen wecken und zum Träumen animieren. Zu seiner Ausstattung gehören meist unterschiedliche Lichtquellen und Projektoren, die verschiedenartige visuelle Effekte erzeugen, eine Farbdrehscheibe, eine sich an der Raumdecke langsam drehende Spiegelkugel und eine bequeme Sitz- und Liegelandschaft. Snoezelen ist Therapie und Förderung zugleich und wird in allen Entwicklungsstufen (Kleinkind bis betagte Menschen) eingesetzt.

Nach den ersten Erfahrungen in den Niederlanden hat sich das ''Snoezelen'' etwa seit Ende der 80er Jahre auch in Großbritannien und Deutschland verbreitet. Ab den 1990er Jahren kann man von einer weltweiten Verbreitung sprechen. Neben den Niederlanden, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Kanada, den USA, Australien, Korea und Japan hat sich diese Idee auf weitere zwanzig Nationen ausgebreitet. In Deutschland sind heute ungefähr 2000 Snoezelenräume zu finden, die den üblichen Standards entsprechen (Bitte klicken Sie H I E R). Beiträge auf den zwölf internationalen Snoezelen-Kongressen der ISNA (International Snoezelen Association, gegründet 2002 an der Humboldt-Universität zu Berlin) zeigen, dass Snoezelen als therapeutisches Medium bei psychischen Problemen (z. B. Ängsten, Magersucht und Stress), bei physiologischen Erkrankungen (z.B. erhöhten Schmerzzuständen), bei schweren Hirnverletzungen und -schädigungen, bei emotionalen Problemen (z.B. Depression, Kontaktängsten) sowie Aufmerksamkeitsstörungen (begleitet von Hyperaktivität), mangelnder Konzentration und auch Motivation angewendet wird. Richtete man das Augenmerk im Snoezelen in den ersten Jahren auf Menschen mit (schweren) geistigen Behinderungen, so wird diese Intervention heute gleichermaßen in Kinderkrippen und Kindergärten, Schulen, Freizeit- und Senioreneinrichtungen, in Kliniken und Hospizen umgesetzt. Vereinzelt finden sich Snoezelenräume inzwischen im Management und in Schwimmbädern. Bietet ein Leiter das "Snoezelen im Wasser" an, ist eine Rettungsschwimmerausbildung unabdingbar.

Das sog. ''„freie Snoezelen“'' bildet immer noch das Basisangebot. Man geht davon aus, dass der Raum mit seinen Effekten an sich positiv wirkt. Als Begleiter, Therapeut bzw. Pädagoge hat man selbstverständlich verantwortlich zu handeln, was bedeutet, dass die Klientel im Vorfeld genauer beleuchtet wird. Für eine wirksame Intervention in Pädagogik und Therapie müssen ein Konzept und eine Methode entwickelt werden, die die Bedürfnisse der Adressatengruppen berücksichtigen. Entwicklungsstufen, Krankheitsbilder, Biografien und soziales Umfeld sowie momentane Befindlichkeiten des Klienten haben Einfluss auf die Vorbereitung des Snoezelenangebotes. In Forschungsprojekten an der Humboldt-Universität zu Berlin wurden in dem Snoezelenraum von Prof. Dr. Krista Mertens am Instituts für Rehabilitationswissenschaften entsprechende Frage- und Beobachtungsbögen sowie Effizienzmessungen (auch mit Unterstützung des Lehrstuhls Informatik-Signalverarbeitung und Mustererkennung, Prof. Dr.-Ing. Beate Meffert, und ihren Studierenden) durchgeführt. Die Doktorarbeit des bekannten Komponisten für Entspannungsmusik, Martin Buntrock, zum Thema "Wirkung von spezieller Entspannungsmusik im Snoezelenraum" ist ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit.

Die Räumlichkeiten und die Einstellungen (insbesondere der Licht- und Klangeffekte), die Wahl der Sitz- oder Liegemöglichkeiten, möglicherweise die Anwendung von Aromen, und die Dauer einer Snoezeleneinheit müssen auf den Nutzer abgestimmt sein. Bis heute ist zu beobachten, dass solche Vorüberlegungen bei der Arbeit im Snoezelenraum vielfach keine Rolle spielen. Snoezelenräume sind häufig mit Elektronik überfrachtet und man meint, alle diese Utensilien zur gleichen Zeit anstellen bzw. einsetzen zu müssen. Aktuell besteht auch in Deutschland die Gefahr, Snoezelen mit MSE (Multi-Sensory-Environment) zu verbinden. Die „Umgebung“, der Snoezelenraum, darf aber nicht unkontrollierbar „multi-sensorisch“ sein. Hier ist eher von einem CSE (Controlled-Sensory-Environment) zu sprechen. Die Snoezelenfachkraft (der Begleiter/die Begleiterin) muss im Vorfeld Lichteffekte, Klänge und Musik, Aromen, Orte der Lagerung, Dauer des Angebots und Inhalt auf die zu betreuende Person abstimmen. Das gilt umso mehr für die Klienten, deren Handeln eingeschränkt ist, wie zum Beispiel solche mit schweren geistigen Behinderungen, Demenz und/oder Hirnschädigungen und -verletzungen. Alle drei Faktoren: Informationen über den Klienten und dessen momentane Befindlichkeit, die methodischen Überlegungen der Snoezelenfachkraft und die Vorbereitung des Raumes bilden in dem sog. „Didaktischen Dreieck“ eine Einheit und beziehen sich aufeinander. Es ist zu erkennen, dass nicht nur für das sog. "freie Snoezelen", sondern besonders für eine erfolgreiche Intervention im therapeutischen, aber auch entwicklungsfördernden und erzieherischen Bereich eine Qualifikation für das Snoezelen nötig ist. Diese wird von ausgebildeten Kräften der ISNA-Snoezelen professional e.V. im In- und Ausland angeboten.

Professor (em.) Dr. Krista Mertens, Humboldt-Universität zu Berlin


Literaturnachweise siehe H I E R

 

 

Lehr-DVD "Snoezelen - Einführung und Grundlagen" (wahlweise in deutscher Sprache oder in engl./franz. Sprache)

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Inhalt: 1. Definition - 2. Zielsetzung - 3. Räume - 4. Förderung und Therapie
Preis: 14,95 Euro, zzgl. Versandkosten

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   (von Dr. Martin Buntrock)

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